Donnerstag, 13.12.2018
Lernzentrum Odisha

 

Unser neuestes Lernzentrum befindet sich in Odisha, Indien und öffnete am 2. Oktober seine Pforten. Das Lernzentrum  ist Teil der Gandhi-Gurukul-Schule im Distrikt Mayurbhanj. Die Schule gehört zu einem Ashram, welches 1982 von der indischen Organisation „AntyodayaChetanaMandal“ gegründet wurde.

 

 

 

 

 

Pünktlich zum Geburtstag von Mahatma Gandhi konnte unsere Bücherei am 2. Oktober 2013 eröffnet werden. Zu der feierlichen Eröffnung erschienen 600 geladene Gäste, darunter viele Schülerinnen und Schüler der Gandhi-Gurukul-Schule. Unter den Besuchern waren auch Bewohner der umliegenden Dörfer sowie Journalisten, die in den lokalen Tagezeitungen über das Ereignis berichteten.

 

 

 

 

AntyodayaChetanaMandal

AntyodayaChetanaMandal (ACM) ist eine private indische Entwicklungsorganisation, die an der Erziehungsideologie Gandhisfesthält.Seit 1982 fördert die ehemalige Studenteninitiative mittellose Bevölkerungsstämme in Odisha, dem ärmsten Bundesstaat Indiens. Das Ziel der Organisation, die sich hauptsächlich im Distrikt Mayurbhanj engagiert, ist der Aufbau einer autarken Gesellschaftsstruktur im dörflichen Bereich. Durch Aufklärung und Unterrichtung soll die Bevölkerung der Region dazu befähigt werden, ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit zu etablieren. ACM konzentriert sich darauf, den Dorfbewohnern die erforderlichen Handlungskompetenzen zu vermitteln. Dazu gehört vor allem eine ausgewogene Ausschöpfung der vorhandenen Human- und Naturressourcen. Das Erlernen eines effizienten Wirtschaftsmanagements soll die Erwerbsmöglichkeiten und -perspektiven der Dorfgemeinschaft fördern. Im medizinischen Bereich konzentriert sich ACM auf die Vermittlung eines grundlegenden und anwendungsbezogenen Wissens zur präventiven und kurativen Gesundheitspflege. Weitere wichtige Ziele sind die Etablierung eines gewaltfreien Gemeindelebens und die Gleichberechtigung der Frauen.

 

Für die Menschen, denen es nicht gegönnt ist, von der aufstrebenden Wirtschaft Indiens zu profitieren, stellt das Konzept der autarken Dörfer eine menschenwürdige Alternative dar. Die wirtschaftliche Selbstversorgung bietet den Landbewohnern die Möglichkeit, am Rande der globalisierten Weltwirtschaft zu bestehen. Außerdem ist die Autarkie eine effektive Maßnahme zur Prävention von Hunger und Arbeitslosigkeit.

 

Gandhi Gurukul

 

Der Hauptgründer von AntyodayaChetanaMandalgeht wie Gandhi als Vorbild voran. Er selbst gründete das Ashram in Mayurbhanj und lebt zusammen mit vielen unterprivilegierten Landbewohnern in dieser autarken Gemeinschaft. Die Schule des Ashrams ist bekannt als Gandhi Gurukul. Sie hat einen Internatscharakter und nimmt Kinder der benachbarten Stammesbevölkerung auf, deren Dörfer noch keine eigene Schule haben. Die meisten Schülerinnnen und Schüler gehören den Stämmen der Santalund Lodha an. Die Lodhas gehören zu einem der ärmsten Stämme in Odisha. Sie wurden im Laufe der Kolonialgeschichte aus ihrem ursprünglichen Lebensraum vertrieben und können auf keinerlei Ländereien zurückgreifen. 92% der Stammesmitglieder sind Analphabeten, die lediglich ihre eigene Stammessprache sprechen. Beide Stämme gehören zu der Schicht der Kastenlosen. Diese Tatsache erschwert eine gesellschaftliche Integration zusätzlich, da die Arbeit der Unberührbaren traditionellerweise als „unrein“ anerkannt wird und eine Berührung mit ihnen die rituelle Verunreinigung bedeutet.

 

Vielen Kindern dieser Stämme wird durch die kostenlose Bildungsmöglichkeit die Chance einer ausgelebten Kindheit geboten, da das Heranwachsen in ihren Familien zwangsläufig die Arbeit auf dem Feld, im Wald oder Haushalt bedeutet. Gerade für Mädchen der unterprivilegierten Bevölkerungsschicht, die meist sehr früh verheiratet werden, stellt die Schule einen sicheren Hort dar. Gandhi Gurukul bezeichnet sich selbst als eine Lebensschule, in der Grundlagen gelegt werden. Unterrichtet werden die Kinder in Oriya, Hindi, Englisch, Mathematik, in den Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Künsten sowie im Handwerk. Besonderer Wert wird in der Schule auf die Hilfe zur Selbsthilfe sowie der Förderung des Gemeinschaftssinns gelegt. Das angeeignete Grundlagenwissen tragen die Kinder und Jugendlichen in ihre Heimatdörfer zurück und unterstützen auf diese Weise die Entwicklung ihrer Gemeinde zur wirtschaftlichen Autarkie.

 

(Stand: 12.10.2013)